Drucken

Erneuerbare Energien effizient genutzt

Erneuerbare Energien schöpfen von der fast unerschöpflichen Sonnenenergie. Muss man da noch auf Effizienz achten? Die Antwort heißt ja, und dies aus überwiegend wirtschaftlichen Gründen.

Ein Beispiel: Bei Biogasanlagen wird üblicherweise das produzierte Gas mittels Kraft-Wärme-Kopplung verstromt. Je höher der Anteil der genutzten Abwärme ist, je höher ist die Effizienz der Gesamtanlage. Der Effizienzgrad ergibt sich hier durch erwirtschaftete Euro für Strom und Wärmelieferungen je Tonne eingesetzter Silage. Hierbei wird klar, dass auch der Flächenverbrauch und damit verbundene ökonomische und ökologische Aspekte beachtet werden müssen.

Ein Paradebeispiel effizient genutzter  Erneuerbarer Energien schaute sich eine Unternehmerdelegation bei der ersten IHK-Energietour im Herbst 2011 in Schwalmtal-Waldniel an. Um die Abwärme des BHKWs möglichst vollständig zu nutzen ging man einen besonderen Weg.

Die Anlage wurde unter Federführung der ReEnergie Niederrhein AG errichtet. Wir haben den Vorstand, Herrn Fred Heyer direkt befragt:

Herr Heyer, was ist an der Biogasanlage in Schwalmtal besonders effizient?

Fred Heyer:

Das in der Biogasanlage erzeugte Biogas wird über einer Biogasleitung (1,6 km) zum Blockheizkraftwerk (BHKW) geleitet und durch das BHKW zu Strom und Wärme veredelt. Der Strom wird derzeit in das öffentliche Stromnetz eingespeist. 60% der produzierten Wärme wird über ein Nahwärmenetz verschiedenen Liegenschaften in Schwalmtal-Waldniel zur Verfügung gestellt.
Effizient ist die Koppelung von Strom- und Wärmeproduktion, so dass ein Wirkungsgrad beim BHKW von fast 75% erreicht wird. (Moderne Kohlekraftwerke haben einen Wirkungsgrad von max. 47%).

Ist es wirtschaftlich einen technisch so hohen Aufwand zu betreiben?

FH:

Die erwartete durchschnittliche Rendite über die Laufzeit von 21 Jahren liegt um die 7% und ist damit in unseren Augen wirtschaftlich. Hat man jedoch Renditevorstellungen von 10% und mehr ist die Kombination aus Biogasanlage / Blockheizkraftwerk / Nahwärmenetz nicht wirtschaftlich.
Bei der Biogasanlage Schwalmtal-Krinsend handelt es sich um die erste Anlage am Niederrhein (Inbetriebnahme Dez. 2009) in der ein 1,2 km langes Nahwärmenetz integriert worden ist. Es handelt sich somit um eine Pilotanlage.

Wie sieht es mit der regionalen Wertschöpfung eines solchen Konzeptes aus?

FH:

Neben der Wertschöpfung die im Rahmen der Landwirtschaft über die Bereitstellung von Substraten und der Substitution von chem. Düngemittel durch Gärreste aus der Biogasanlage trägt jede erneuerbare Energie zur Erhöhung der regionalen Wertschöpfung bei, da eE-Strom und eE-Wärme dezentral vor Ort produziert wird. Die Gelder für Strom und Wärme fließen nicht mehr aus der Region ab, sondern bleiben in der Regel in der Region und stehen für Investitionen und Konsum zur Verfügung.
Die regionale Wertschöpfung beträgt bei Strom und Wärme mindestens 200.000 € p.a., wenn man unterstellt, das in der Vergangenheit 50% der Gelder aus der Region geflossen ist.

Ist die landwirtschaftliche Produktion der Silage ökologisch und nachhaltig?

FH:

Diese Frage möchte ich mit einer Gegenfrage beantworten. Ist die heutige bestehende
landwirtschaftliche Produktion ökologisch und nachhaltig? Auch in der Landwirtschaft ist eine ökologische und nachhaltige Substratproduktion für Biogasanlagen möglich und wird auch teilweise im ökologischen Landbau schon umgesetzt. Sicherlich müssen biogene Reststoffe und Energiepflanzen jenseits von Mais verstärkt in Biogasanlagen eingesetzt werden. Dafür müssen jedoch die politischen Rahmenbedingungen teilweise neu „justiert“ werden.

Empfehlen Sie weitere Konzepte zur regionalen Energieversorgung?

FH:

Die ReEnergie Niederrhein AG ist davon überzeugt, dass die Energiewende und die damit
verbundene Energieversorgung künftig weitgehend dezentral durch eE-Anlagen erfolgen wird und zwar im Einklang mit Kommunen, Stadtwerken und Bürgerschaften (z.B. REN-AG, Energiegenossenschaft). Konzepte für eine regionale Energieversorgung sind dabei ein wesentlicher Baustein.

Vielen Dank, Herr Heyer!

ren.ag Wertschoepfung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.