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Energiemanagement zahlt sich aus

In Mittelstand und Industrie wird aufgrund steigender Ausgaben für Energie immer häufiger über die Einführung von Energie-Management-Systemen (EnMS) gesprochen. Manche sind da schon einen Schritt weiter, wie z.B. die Siempelkamp Giesserei GmbH in Krefeld. Unter eigener Regie wurde ein EnMS nach DIN EN ISO 50001 erfolgreich eingeführt. Wir konnten den Federführer, den Leiter Energiemanagement bei der Siempelkamp Giesserei GmbH, Herrn Benedikt Szukala als Referenten für unsere Infoveranstaltung am 06.02.13 gewinnen und zuvor ein Interview mit  führen.

Herr Szukala, was hat Sie motiviert sich mit dem Thema EnMS intensiver zu beschäftigen?

Benedikt Szukala:
Zum einen muss man sagen, dass ein Grund unbestritten in den steuerlichen Vergünstigungen zu sehen ist, ohne die, und das sei an dieser Stelle auch deutlich gesagt, wir nicht mehr in der Lage wären, wettbewerbsfähig in Deutschland zu produzieren. Bereits unter Einbeziehung der zuvor genannten Vergünstigungen haben wir z.B. gegenüber baugleichen Gießereien in Frankreich einen wirtschaftlichen Nachteil von etwa 1,5 Mio. EUR.

Neben den steuerlichen Gründen, die für ein EnMS nach ISO 50001 sprechen, sind hier aber auch klar Effizienzsteigerungen zu nennen, die wir erzielen wollen und müssen. Ein Energiemanagementsystem unterstützt dabei in erster Linie durch seine Struktur und das dadurch vorgegebene strukturierte Vorgehen:

(1) Energieflüsse/-ströme erkennen und aufzeichnen,
(2) Prozesse verstehen,
(3) Abhängigkeiten/ Verbindungen zwischen den Prozessen aufzeigen
(4) Potenziale/Möglichkeiten analysieren und
(5) Handlungsempfehlungen aussprechen.

Man darf aber nicht die Erwartung haben, dass sich alle Potenziale realisieren lassen, da sich manche Maßnahmen (zum jetzigen Zeitpunkt mit den gegebenen Möglichkeiten) nicht wirtschaftlich darstellen lassen.

Über praktiziertes Energie-Controlling hatten Sie schon einen guten Überblick über die betriebsinternen Energieflüsse. Welchen Mehrwert bringt das EnMS?

BS:
Zunächst einmal hat sich unser Verständnis was Energiemanagement angeht geändert. Zunächst hat man versucht möglichst schnelle Erfolge zu erzielen, indem wir die Energiebeschaffung optimiert und an die Marktentwicklungen angepasst haben. Als nächstes haben wir die energierechtlichen Potentiale optimiert. Da diese Bereiche inzwischen optimiert sind, gehen wir nun Schritt für Schritt an die Steigerung der Energieeffizienz heran, sprich technische Optimierung. Das EnMS hat uns gerade für den letztgenannten Bereich einen Mehrwert gebracht, da wir verstanden hatten, dass wir unsere Datenbasis der Energieströme verbessern mussten und haben dementsprechend in unser Energiedatenerfassungssystem investiert. Für uns hat sich daraus im Laufe der Zeit folgendes Verständnis von einem ganzheitlichen Energiemanagement ergeben. Energiemanagement basiert auf nach unserem Verständnis auf drei Säulen: Energiebeschaffung + Energierecht + Energietechnik/-effizienz. Diese drei Säulen werden wiederum vom Energiecontrolling getragen/unterstützt, um die Wechselwirkungen der drei Bereiche darzustellen und eine ganzheitliche Optimierung zu erreichen. Ich glaube, dass wir mit diesem Ansatz und dem EnMS einen ganzheitlichen Ansatz haben, über den wir das bestmögliche Potenzial für unser Unternehmen herausholen.


Müssen Unternehmen einen Mitarbeiter für das Energie-Management freistellen, oder kann das jemand „nebenbei“ machen?


BS:

Dazu gibt es meinerseits ein klares „Jein“. Es kommt auf die Unternehmensgröße und die Komplexität der „Energielandschaft“ an. Wenn wir die Giesserei als Beispiel nehmen wollen: wir haben zwei Personen, die sich mit dem Thema Energie beschäftigen. ABER nicht Vollzeit. Mein Kollege übt die Funktion des EnMB (Energiemanagement Beauftragter, Anm. der Redaktion) aus und ist für folgende Themen zuständig: ISO 50001, Energiesteuern, Energieeffizienz. Meine Person ist für die Energiebeschaffung und Energierecht zuständig. Des Weiteren arbeiten wir gerade in den Bereichen Energietechnik/-effizienz mit den Kollegen aus dem Betrieb/ der Instandhaltung zusammen. Ohne diese Kollegen würde nichts gehen. Also beschäftigt sich unterm Strich wahrscheinlich doch mehr als eine Person Vollzeit mit diesem Thema. Betrachtet man aber die erzielten Einsparungen, dann stellt man fest, dass sich der Aufwand für uns auf jeden Fall rechnet.

Vielen Dank, Herr Szukala!

Infoveranstaltung am 06.02.2013, 14:00 Uhr IHK in Mönchengladbach unter TERMINE

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