Drucken

Nachhaltigkeit im Einzelhandel

Nachhaltigkeit ist gerade beim Einzelhandel mehr als ein Trend geworden. Nachhaltiges Wirtschaften wird in der Branche aus Überzeugung und zur Kundenbindung praktiziert und publiziert, denn die Kunden sind bereit dafür überdurchschnittlich zu zahlen. Neben dem Engagement für die Gesundheit der eigenen Belegschaft und dem Angebot ökologisch-biologischer Produkte bedeutet Nachhaltigkeit auch Aktivitäten zum Klimaschutz und zur Energieeinsparung.

Große Einzelhändler, wie z.B. REWE, präsentieren offen die eigene Nachhaltigkeitsstrategie. So wurden auch die Verkaufsmärkte untersucht und das REWE Green Building Konzept erstellt. Wir konnten den ausführenden Architekten des mehrfach ausgezeichneten nachhaltigen Supermarktes direkt befragen.

Interview mit Jürgen Koch von kocharchitekten aus Düsseldorf:

Herr Koch, Ihr Büro hat mit dem REWE GREEN BUILDING KONZEPT ZUKUNFT in Berlin ein Vorzeigeobjekt mit großer positiver medialer Wirkung realisiert. Sind Energieeffizienz und Klimaschutz im Tagesgeschäft angekommen?

Jürgen Koch:

Für uns und unsere Auftraggeber: Ein klares Ja! Der Druck die steigenden Energiekosten zu bremsen und das gestiegene Bewusstsein der Verantwortung für Mensch und Umwelt der Unternehmen führen zu klaren Planungsvorgaben: Gebäude sollen energieeffizient und klimafreundlich gebaut werden und auch während der Nutzungszeit Energie sparen und wenig CO2 emittieren. Die Gebäude zeigen, dass man mit geringfügig höheren Investkosten sehr hochwertige, klimafreundliche und sparsame Gewerbeimmobilien bauen kann. Etwa 10% Mehrkosten stehen über 50% Energieeinsparung gegenüber bei konventionellen Gebäuden.

Was ist von dem Berliner Beispiel am einfachsten und was am schwersten auf den aktuellen Gebäudestandard zu übertragen?

JK:

In Hamburg wurde im Dezember 2012 der zweite REWE-Markt eröffnet, der nach dem von uns entwickelten GREEN BUILDING KONZEPT ZUKUNFT geplant wurde. Vom Pilotprojekt in Berlin sind wir schon beim Rollout angekommen. Die ambitionierten Vorgaben des Piloten sind nun Standard.

Sie nutzen das Tageslicht, was bei den meisten Märkten vermieden wird. Wie haben Sie den UV-Schutz für die angebotenen Waren erreicht?

JK:

Tageslicht zu nutzen hat viele Vorteile. Man spart sehr viel Strom bei der Beleuchtung und es entsteht eine besondere Raumqualität, die zusammen mit dem Architektur- und Raumkonzept an einen Marktplatz erinnert. Das sich die Kunden wohl fühlen zeigt sich beim Umsatz des Marktes in Berlin. Er stieg nach dem Neubau mit Tageslicht am selben Standort um 25%. Der Schutz der lichtempfindlichen Waren ist gewährleistet durch lichtstreuende Dachkuppelverglasung und automatisch reagierende Jalousien.

Was kann man bei Bestandsimmobilien im Einzelhandel energetisch verbessern?

JK:

Jeder Standort muss für sich betrachtet werden. Potenziale sind schnell zu heben bei der Kühl- und Lüftungstechnik, der Beleuchtung und der Beheizung. Die Gebäudehülle wird man bei größeren Umbauten energetisch optimieren. Ein Neubau sollte aber immer in Betracht gezogen werden, denn deutlich niedrigere Betriebskosten sind nur bei einem Gesamtkonzept zu erreichen. Bei Umbauten kann man an Grenzen des wirtschaftlich sinnvoll machbaren stoßen.

Nennen Sie bitte noch einen Aspekt der Green Building Märkte, der Ihnen besonders am Herz liegt.

JK:

Beide Gebäude in Berlin und Hamburg sind Holzbauten. Holz ist ein im Gewerbebau immer noch unterschätzter Baustoff mit besonderen Qualitäten. Die sichtbare Holzkonstruktion hat einen hohen ästhetischen Reiz und ist zudem statisch und wirtschaftlich optimal: Der gesamte  Innenraum ist stützenfrei. Zudem ist Holz ein nachwachsender und absolut klimafreundlicher Rohstoff.

Vielen Dank, Herr Koch!

Weitere Informationen finden Sie hier:

Poster_REWE_für_Internet

REWE_Green_Building_Broschuere_2010

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.