Drucken

Solarstrom selber nutzen

PV-Anlage

Nach der deutlichen Reduzierung der Einspeisevergütung für Strom aus Photovoltaik (PV)-Anlagen im letzten Jahr scheint es ruhig geworden zu sein auf dem PV-Markt. Zudem setzte zur Jahreswende in Deutschland eine heftige Diskussion ein um die Stromkostensteigerung durch die EEG-Umlage.

Vor diesem Hintergrund wird es immer attraktiver, den eigen erzeugten PV-Strom auch überwiegend selbst zu nutzen. Dies bietet sich besonders für produzierende Unternehmen an, da kontinuierlich Strom für Maschinen und Prozesse benötigt wird.

Wie die PV-Eigenstromnutzung funktioniert und wie es mit der Wirtschaftlichkeit solcher Modelle aussieht, berichtet uns Herr Phillip Küpper von der PV² Energie GmbH aus Goch.

Jochen Ohligs:

Herr Küpper, lohnt sich für Unternehmer noch die Investition in eine eigene PV-Anlage?

Phillip Küpper:

Ja, die Investition in eine eigene Solaranlage ist nach wie vor interessant. Zwar sind die Einspeisevergütungen in letzter Zeit gekürzt worden, jedoch sind gleichzeitig die Anschaffungskosten für eine PV-Anlage ebenfalls stark gesunken. Allein die Modulpreise sind im letzten Jahr über 30% gefallen, nachdem sie auch in den Vorjahren bereits stark gesunken waren. Auch weitere Komponenten wie Wechselrichter und die Unterkonstruktionen für die Dachbefestigung sind günstiger geworden. Unterm Strich bedeutet dies, dass man nach wie vor 2-stellige Renditen mit einer Solaranlage erreichen kann.

Wie funktioniert das Modell, den erzeugten Solarstrom im eigenen Unternehmen zu nutzen?

Vereinfacht gesagt, stellt das Unternehmen seinen eigenen Strom mit einem kleinen Solarkraftwerk auf dem Dach her. Die Solaranlage wird entsprechend dem kundenspezifischen Verbrauchsverhalten ausgelegt, so dass zwischen 30% und 80% des benötigten Jahresstrombedarfs durch die Solaranlage selbst produziert werden kann.

Nun kann man zwei Fälle unterscheiden:

In den Zeiten, in denen der Unternehmer keinen Strombedarf hat, wenn z.B. am Wochenende der Betrieb geschlossen ist, speist die Solaranlage den Strom in das Versorgungsnetz ein. Der Strom wird dann gemäß EEG an den Netzbetreiber verkauft und mit einem für 20 Jahre gesetzlich garantierten Tarif vergütet.

In den Zeiten, in denen das Unternehmen mehr Elektrizität benötigt, als zeitgleich von der PV-Anlage produziert werden kann, wird konventionell Strom vom Versorger aus dem örtlichen Stromnetz bezogen.

Mit einem sogenannten Zweirichtungszähler kann man jeweils die selbst produzierten und zugekauften Strommengen messtechnisch genau erfassen und abrechnen.

diag

 

Welche Vorteile haben Unternehmen bei der Eigennutzung des selbst erzeugten Solarstroms?

Solaranlagen produzieren bereits heute Strom deutlich günstiger als viele Unternehmen diesen von Ihrem Stromversorger beziehen. Die Investition in eine Solaranlage zur Eigenstromerzeugung amortisiert sich durch die jährlichen Einsparungen an Stromkosten  bereits nach einigen Jahren. Die Technik ist bewährt und erfordert nur einen moderaten Wartungsaufwand.

Unternehmen machen sich unabhängig von Ihrem Stromversorger und können sich somit über Jahre hinaus gegen steigende Strompreise absichern. Denn eines ist relativ sicher: Steigende Strompreise sind auch in Zukunft wahrscheinlich, durch strengere Auflagen für konventionelle Kraftwerke, durch den Atomausstieg und durch höhere Steuern und Abgaben.

Kann man sich mit so einem Modell gegen Stromausfälle, oder Netzschwankungen absichern?

Es gibt heute schon Stromspeicher für Einfamilienhäuser. Nach unserer Einschätzung wird es in einigen Jahren in vielen privaten aber auch gewerblichen Immobilien technische Lösungen für Speicher geben, mit denen theoretisch eine Vollversorgung eines kleinen bis mittleren Industriebs mit erneuerbaren Energien möglich ist. Somit könnte sich dann ein Unternehmen in der Tat auch vor Stromausfällen und Netzschwankungen schützen. 

Darüber hinaus ist für viele Unternehmen die Kombination von Solaranlage und Kraft-Wärme-Kopplung (BHKW) sehr wirtschaftlich. Kraft-Wärme-Kopplung ist die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Nutzwärme, wodurch ein sehr hoher Wirkungsgrad von mehr als 90% erreicht werden kann. 

Um ein Beispiel zu nennen: In der fleischverarbeitenden Industrie kann ein Blockheizkraftwerk die vom Betrieb benötigte Prozesswärme für die Garprozesse sowie die Wärme für die Reinigung liefern. Der von der Anlage gleichzeitig erzeugte Strom wird von der PV-Anlage ergänzt wird dabei direkt im Betrieb verbraucht.

Werden die Stromnetze entlastet, wenn PV-Strom an Ort und Stelle verbraucht wird?

Durch die räumliche Nähe von Erzeugung und Verbrauch werden die Transportwege für Strom, die Belastungen der Netze vor Ort und die Leitungsverluste deutlich reduziert.

Unser heutiges Netz ist noch ausgelegt auf die Einspeisung von wenigen zentralen Großkraftwerken. Die erneuerbaren Energien im Allgemeinen aber bedeuten eine neue, dezentrale Energieerzeugung. Daher muss langfristig natürlich unser Stromnetz an diese neue Form der dezentralen Einspeisung angepasst werden, was aber ökonomisch und auch ökologisch sinnvoll ist. Dabei reduzieren die heutigen, modernen Einspeise- und Netztechniken den notwendigen Umfang des Netzausbaus. So sind die heute für neue Solaranlagen verwendeten  Wechselrichter  regelbar und können z.B. Spannungsverschiebungen im Stromnetz zumindest teilweise auszugleichen.

Hat die Photovoltaik also doch eine Zukunft in der Region?

In jedem Fall wird Photovoltaik in unserer Region aber auch weltweit ein fester Bestandteil der zukünftigen Energieversorgung. Die Technik und die Gestehungskosten pro Kilowattstunde Solarstrom werden immer günstiger und werden in einigen Jahren unter den Gestehungskosten für Strom aus konventionellen Kraftwerken liegen.

Vielen Dank, Herr Küpper!

pv2-energie-logo

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Hinweis:
Bitte beachten Sie unsere Blogregeln. Es besteht grundsätzlich kein Anspruch auf die Veröffentlichung Ihres Kommentars. Je nach Inhalt behalten wir uns vor, von einer Veröffentlichung abzusehen. Mit dem Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der Veröffentlichung auf dieser Website zu. Auf Wunsch des Absenders können Kommentare auch wieder gelöscht werden. Bitte senden Sie in diesem Fall eine E-Mail an den Administrator.