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Energiemanagement und CO₂-Risikomanagement

grafik_recarbonBei unserer Informationsveranstaltung „Energiemanagement im Mittelstand“ am 18.02.2014 in Neuss (siehe auch unter Termine) referiert Herr Dr. Jens Tiedemann von der Recarbon aus Köln zum Thema Energiemannagement und CO2-Risikomanagement.

Warum man auch in mittelständischen Unternehmen die eigene Abhängigkeiten im Zusammenhang mit Treibhausgasemmissionen bedenken sollte haben wir Herrn Dr. Tiedemann in einem Interview gefragt:

Was versteht man unter CO2-Risikomanagement ?

Tiedemann RecarbonDr. Jens Tiedemann:

Eine weit verbreitete Annahme ist es, dass die Bilanzierung der durch ein Unternehmen verursachten Treibhausgase ausschließlich der Ermittlung der durch die Geschäftstätigkeit verursachten Auswirkungen auf Umwelt und Klima dient. Da CO2-Emissionen jedoch hauptsächlich durch den Verbrauch fossiler Energieträger entstehen, lassen sich aus einer CO2-Bilanz, sofern entsprechend erstellt und aufbereitet, eben auch Informationen über die beanspruchte fossile Energiemenge ablesen.
Setzt man den Betrachtungsrahmen richtig, d.h. man integriert relevante Daten aus der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, lässt sich aus einer CO2-Bilanz die monetär quantifizierbare Abhängigkeit des Unternehmens von fossiler Energie und deren Preisen ableiten. Die auf dieser Basis mögliche Identifikation von Hotspots erlaubt ein strategisch orientiertes Umdenken und eine Reduktion dieser Abhängigkeit.
Die häufig vertretene Ansicht, dass sich steigende Preise fossiler Energieträger lediglich auf die eigene Öl-, Gas-, Kohle- und Stromrechnung auswirken, greift natürlich viel zu kurz. Die Preise aller Vorprodukte, Betriebsmittel, Transporte und Dienstleistungen hängen mehr oder weniger stark von den Preisen fossiler Energieträger ab. Und auch auf der nachgelagerten Seite der Wertschöpfungskette, der Nutzung und Entsorgung der Produkte, sieht es ähnlich aus. So hängt beispielsweise die Nutzung von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotoren stark von  fossiler Energie ab, und es darf bei heutiger Preisentwicklung fossiler Energieträger bezweifelt werden, dass der Markt für KFZ-Vergaser in 20-30 Jahren noch ähnlich groß ist wie heute.
Dieses, wie zahlreiche andere geschäftsmodell-spezifische Risiken, sind eng mit der Preissteigerung fossiler Energieträger verknüpft und werden durch ein gutes CO2-Risikomanagement identifiziert, quantifiziert und schrittweise reduziert. Und, auch wenn es in der unternehmerischen Entscheidung meist nicht ganz vorn ansteht, so darf gesagt werden, dass jede Tonne nicht emittiertes CO2 natürlich auch gut für das Klima ist – ganz egal aus welchen Motiven diese eingespart wurde.

Wie bindet man diese Risikobewertung in das Energiemanagement mit ein?

Dr. Jens Tiedemann:

Das mittlerweile sehr bekannte Energiemanagementsystem nach DIN EN ISO 50001 regt zu einem sehr präzisen Management der Energieflüsse im eigenen Verantwortungsbereich an. Richtig implementiert und gelebt, handelt es sich um ein sehr starkes Instrument zur Steigerung der eigenen Energieeffizienz. Jedoch bleiben zahlreiche Risiken unberücksichtigt, wenn sie, wie eben erläutert, außerhalb des eigenen Verantwortungsbereichs liegen.
Die von der französischen Umweltbehörde ADEME bereits 2001 ins Leben gerufene Methode Bilan Carbone erlaubt und erzwingt eben diesen Blick über die Unternehmensgrenzen hinaus. Dieser soll und kann selbstverständlich nicht so detailliert und präzise sein wie der Blick ins eigene Unternehmen. Es geht hierbei nicht um die möglichst genaue Messung einzelner Verbräuche, sondern eher darum, einen groben Überblick in einem weiten Feld zu gewinnen, um strategische Risiken aufzudecken und unternehmerische Entscheidungen zu unterstützen.
In Kombination ergänzen sich diese beiden Systeme sehr gut und liefern sowohl detaillierte Anhaltspunkte für Energie-Einsparpotenziale im eigenen Unternehmen wie auch eine Identifikation und Analyse der mit dem Geschäftsmodell verbundenen strategischen energiebezogenen Risiken. Damit lassen sich eine Verbesserung der eigenen Energieeffizienz und eine Reduktion der Abhängigkeit des Geschäftsmodells von fossilen Energien erzielen. Beispiele hierfür liefern die Referenzen der in Frankreich bereits über 7000 Mal implementierten Methode zuhauf.
Die Recarbon ist stolz darauf, der erste und derzeit einzige in Deutschland lizensierte Dienstleister für die Methode Bilan Carbone zu sein und zur Verbreitung dieser Denkweise beizutragen. Für eine weitere Verbreitung in Deutschland ist bereits gesorgt: Der exklusive Schulungspartner im deutschsprachigen Raum, die Reclay Group, bietet seit 2013 Schulungen für Unternehmen und Berater an.

Sollten Unternehmen Ihrer Meinung nach grundsätzlich auch andere Aspekte der Corporate Responsibility in ihr Risikomanagement mit einbeziehen?

Dr. Jens Tiedemann:

Ja! Nach unserer Meinung stellt sich diese Frage heutzutage überhaupt nicht mehr.
Eine umfassende Identifikation von Risiken für Unternehmen oder Geschäftsmodelle muss neben den klassischen Themen, wie z.B. Finanz- oder Produktrisiken, natürlich auch den Bereich der unternehmerischen Verantwortung mit einbeziehen. Neben den eben angerissenen Energie- und Klimarisiken, darf eine Analyse der sozialen Aspekte nie fehlen – und das selbstverständlich entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für eine gute Risiko- und Chancenanalyse im Nachhaltigkeitsbereich ist es sinnvoll alle relevanten Stakeholder ins Boot zu holen und die unterschiedlichsten Belange detailliert zu betrachten. Sie würden überrascht sein, wie unterschiedlich die Sichtweisen und Erwartungen dieser sein können.
Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass nur über die Schaffung von Transparenz über die sozialen und umweltbezogenen Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette Unternehmen damit einhergehende Risiken bekämpfen und Chancen nutzen können, um sich langfristig erfolgreich im Wettbewerb zu positionieren.
Bei der daraus resultierenden Flut an Ansatzmöglichkeiten bedarf es eines guten Nachhaltigkeitsmanagements – oder eben guter Berater.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Tiedemann.

Link zu Homepage recarbon Deutschland

2 Gedanken zu “Energiemanagement und CO₂-Risikomanagement

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