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Energiemanagement im Einzelhandel – EHI Studie

EHI-Studie_Energiemanagement_im_Einzelhandel_2013Das EHI Retail Institue aus Köln veröffentlicht seit 2008 die fortlaufende Energiestudie „Energiemanagement im Einzelhandel“. Wir berichten und kommentieren über die Ergebnisse der sechsten Studie aus 2013.

EHI-Studie_BranchenzugehörigkeitDatengrundlage

Grundlage der Studie ist eine Befragung von Handelsunternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. An der branchen-übergreifenden Befragung nahmen 64 Unternehmen aus dem Food (31%) und Non-Food-Handel (69%) teil.

Durchweg handele es sich je Branche bzw. Betriebstyp jeweils um die marktführenden Handels-Unternehmen.

Den Schwerpunkt bilden der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) mit 31 Unternehmen und der Textil-, Schuh- und Sportfachhandel mit 27 Unternehmen.

Energiekosten gestiegen

86% der Befragten gaben an, dass ihre Energiekosten in 2013 gestiegen sind. Hauptkostentreiber sei die gestiegene EEG-Umlage (100% Zustimmung). Die Hälfte (50%) nennen als Grund zudem Preissteigerung für Energie. Jeweils ein Drittel (33%) begründen gestiegene Energiekosten mit Netznutzungskosten, Expansion und längeren Öffnungszeiten.

Die jährlichen Energiekosten (Strom, Gas, Heizöl etc.) belaufen sich bei den befragten Nonfood-Händlern im Schnitt auf 36,25€ je Quadratmeter Verkaufsfläche (qm/VKF). Seit 2009 ist ein Anstieg von 17,5% zu verzeichnen. Im Food-Handel liegt der Durchschnittswert aktuell bei 62,95€ je Quadratmeter Verkaufsfläche (qm/VKF). Hier beträgt der Anstieg der spezifischen Energiekosten seit 2009 sogar 22%. Die Preissteigerungen verliefen jeweils kontinuierlich. Daraus folgend rechnen 84% der Befragten in den nächsten Jahren mit weiterhin steigenden Energiekosten. Im Durchschnitt rechnet man mit einem Anstieg von 8,5% pro Jahr.

Wo die Energie verbraucht wird

Im Nonfood-Handel entfallen 87 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf die Filialen, 10 Prozent auf die Logistik und 3% auf die Verwaltung. Dies verwundert, da der Lieferverkehr als Energie aufwendig wahrgenommen wird. Wenn gespart werden soll, erscheint es daher ratsam in der Filiale vor Ort nach Einsparpotenzial zu suchen. Beim Food-Handel ohne eigene Produktionsbetriebe ist die Aufteilung nahzu identisch (90% / 8% / 2%). Bei Food-Handelsunternehmen mit eigener Produktion (Fleischereien, Bäckereien etc.) entfallen im Durchschnitt 10% des Gesamtenergieverbrauch auf diesen Bereich.

Durchschnittlicher Stromverbrauch

Der durchschnittliche Stromverbrauch liegt bei Lebensmittelhändlern mit 413 kWh pro Quadratmeter Verkaufsfläche (qm/VKF) deutlich über dem Nonfood-Handel mit 198 kWh pro qm VKF und Jahr. Noch größer fällt der Unterschied beim Heizenergieverbrauch aus; 140 kWh / qm VKF und Jahr sind es im Food-Handel und 55 kWh / qm VKF und Jahr sind es im Nonfood-Handel.

Energieverbräuche im Nonfood-Handel

Im Nonfood-Bereich ist die Beleuchtung mit 53% der größte Energieverbraucher, gefolgt von der Klimatisierung mit 22% und der Heizung mit 14% des durchschnittlichen Gesemtenergieverbrauchs. Die Nutzung von Tageslicht und die Umstellung auf energieeffiziente Beleuchtungssysteme wie z.B. LED-Technologie birgt die größten Einsparpotenziale.

Energieverbräuche im Food-Handel

Im Food-Bereich ist die Kühlung mit 41% der größte Energieverbraucher, gefolgt von der Beleuchtung mit 27%, der Klimatisierung mit 14% und der Heizung mit 10% des durchschnittlichen Gesemtenergieverbrauchs. Die Nutzung von Tageslicht und die Umstellung auf energieeffiziente Beleuchtungssysteme wie z.B. LED-Technologie steht bei größten Einsparpotenzialen noch hinter der Verringerung der Kühllast und der Abwärmenutzung der Kältetechnik.

Energieoptimierung

Folgende bereits realisierte Projekte zur Energieoptimierung wurden genannt:

  • Aufbau und Umsetzung eines Energiemanagementsystems
  • Einsparung von Energie bei Beleuchtung, Kältetechnik / Glasabdeckungen, Gebäudeleittechnik, Umbau / Neubau, Wärmerückgewinnung, Kälte-Wärme-Verbundanlagen, Strom aus erneuerbaren Energien, Nutzung alternativer Energiequellen

Beleuchtung

Die Beleuchtung hat im Einzelhandel eine besondere Bedeutung, in mehrfacher Hinsicht. Licht ist ein wichtiges Instrument der Orientierung, Akzentuierung und Inszenierung. Die Beleuchtung ist zugleich ein großer Kostenfaktor. Optimierungen müssen sowohl die Lichtqualität, als auch die Energieeffizienz berücksichtigen. Grundsätzlich ist die Beleuchtung der Verkaufsflächen von sonstigen Räumen zu unterscheiden. Bei den Verkaufsflächen sollte eine Beleuchtungskozept erstellt werden. In Nebenräumen und im Außenbereich helfen Zeit-, Helligkeits- und/oder bedarfsabhängig gesteuerte Regeltechnik beim Sparen.

EHI-Studie_Investitionsbreitschaft_im_EHLED-Beleuchtung

Die befragten Unternehmen erwarten eine „wahre Revolution“ in der Shop-Beleuchtung durch die LED-Technologie. 86% der Befragten wollen in in effiziente Beleuchtungssysteme investieren. Viele sind in ihrem Einsatz jedoch noch abwartend. Besonders oft eingesetzt werden LEDs derzeit in

Kühlmöbeln, Bedientheken, Obs- und Gemüseabteilungen, Akzentbeleuchtung, Regalhinterleuchtung, Werbung/Außenbeleuchtung, Sonderbereiche (Bäckerei/Metzgerei).

In der Allgemeinbeleuchtung werden LEDs noch selten eingesetzt. Beklagt wird die Unübersichtlichkeit des Marktangebotes bei fehlenen einheitlichen Standards hinsichtlich Lichtfarbe, Effizienz, Lebensdauer.

Fazit

Von den 64 teilnehmenden Unternehmen der EHI-Studie gaben 59 an in den letzten fünf Jahren schon über zwei Millionen Euro in Energieeffizienzmaßnahmen investiert zu haben. 46% davon hätten über 5 Millionen Euro investiert und 30% sogar über 10 Millionen Euro.

Die Möglichkeiten Energiekosten durch Maßnahmen des Energiemanagements zu reduzieren sind enorm hoch. Energetisch optimierte Gebäude, innovative Versorgungstechnik und/oder der Einsatz erneuerbarer Energien können für eine gute Energie- und Ökobilanz sorgen. Wichtig ist es nicht Einzelmaßnahmen im Blick zu haben, sondern diese stets im Rahmen eines Energiemanagements zu sehen. Ausschlaggebend für den nachhaltigen Erfolg sei es, so schließt die Studie, das Thema Energiemanagement in der obersten Unternehmensebene anzusiedeln. So lasse sich ein  „Trilemma“ zwischen Geschäftsführung, Vertrieb und Energiemanagement vermeiden.

 

Die gesamt Studie ist erhältlich über das EHI-Retail Institute. Kontakt per mail über vertrieb@ehi.org

Die Ergebnisse der Studie wurden von Jochen Ohligs, IHK Mittlerer Niederrhein auf Grundlage der Veröffentlichung „Energiemanagement im Einzelhandel 2013“ zusammengestellt.

 

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